Abschrift
P. den 13. Janr. 1864 W. 20 Bl.

An
zu Hannover

Baumanificus - Bemerkungen
betreffend
den Wiederaufbau der geist-
lichen Gebäude zu Uetze
bes. der Kirche mit Thurm

Nach Ausweis des Berichts des Kirchen- und Schul-Vorstandes von Uetze vom 1. December v. J. hat derselbe beschlossen, die dortige Kirche nicht nach einem der drei von mir aufgestellten Restaurationspläne sondern ganz so wieder herzustellen wie dieselbe vor dem Brande gewesen ist und den Thurm nur zu reparieren statt ihn neu zu umbauen und genau aus folgenden Gründen:

  1. Weil die Kirche in ihrem früheren Zustande ein schönes Gotteshaus gewesen sei, welches von allen Kirchen der dortigen Umgegend große Vorzüge und an welchem die Gemeinde ihre Freude gehabt habe,
  2. des höheren nach meinen Plänen erforderlichen Kostenaufwandes und den zu leistenden Hand- und Spanndiensten wegen,
  3. weil die im Bau begriffenen geistlichen Gebäude prachtvoller umbaut würden als erforderlich und weil die Gemeinde von dem äußern Schmucke und von Verzierungen Anstoß nehmen, die diesen Gebäuden durch Glasursteine gegeben und wodurch die Kosten unnötiger Weise um einige hundert Thaler erhöht würden.

Diese Gründe erlaube ich mir, nachstehend näher zu beleuchten.

Was zunächst den ersten Grund, die angeblich schöne und zweckmäßige und ganz den Wünschen der Gemeinde entsprechende frühere Einrichtung der Kirche betrifft, so bemerke ich, dass dieselbe ein rechteckiger von glatten Mauern geschlossener und einen, bis auf den Einbau von Priechen, freier kahler Raum ohne besonderes Chor war. Bekanntlich lieben überall die Landleute, besonders da, wo sie denselben nicht mit wirklich kirchlichen Anlagen vergleichen können, solche einfache viereckige Räume und sträuben sich von vornherein stets gegen eine aus dem Wesen des Cultus sich ergebende compliziertere Gestaltung des Grundrisses. Es ist das bei den vielen von mir ausgeführten Kirchenbauten in den verschiedensten Theilen unseres Landes fast jedes Mal der Fall gewesen, dass die Landgemeinden anfänglich, so lange nur auch die Baupläne vorlagen, indem der Bau selbst auch im Entstehen war, mit Misstrauen die den meisten unverständliche Gliederung des Gebäudes betrachteten, aber es ist mir auch, sowohl aus meiner eigenen Praxis als auch aus den anderen auch wirklich reichlichen Typen bauenden Architecten kein einziger Fall bekannt, dass nicht nach Vollendung des Baues, wo ihnen die Bedeutsamkeit der einzelnen Theile klar wurde, in den Gemeinden jenes Vorurtheil und die Liebe zum einfach viereckigen Raume sich als bald verloren habe.

Die frühere Kirche zu Uetze hatte nun, außer dem Mangel, daß sie, wie oben erwähnt, allen traditionell kirchlichen Einrichtung und äußeren wie inneren Erscheinung entbehrte (wie auch z. B. die Kanzel sich über dem Altare befindet) auch den großen Mangel, dass man den Prediger auf der Kanzel an sehr vielen Stellen in der Kirche nicht verstehen konnte. Der Grund dieses letzteren Übelstandes dürfte wesentlich in der über die ganze ungetheilte Kirche in einer horizontalen Weise sich ausdehnenden hölzernen Decke, welche wie ein großer Resonanzboden wirkte, zu suchen sein.

Bei Aufstellung meiner bezüglichen Restaurationspläne habe ich es als die vorliegende Aufgabe (deren einfachste Lösung der mit NP.3 bezeichnete und dem Kirchenvorstande zur Annahme empfohlene Plan sein dürfte) betrachtet, der Kirche durch Theilung mittelst 2 Arcaden der Länge nach in drei Schiffe und durch Anbau eines gesonderten Chores nebst Sacristei) eine kirchlich mündige Einrichtung und Erscheinung zu geben und (durch die gedachte Theilung zugleich) eine geeignete Stellung für die Kanzel zu erlangen und die mangelhafte Akustik zu verbessern. Dabei würden die seitlichen Mauern der Kirche fast unberührt bleiben und würde nur die östliche Giebelmauer des Choranbaus wegen theilweise abgebrochen werden müssen.