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Für die Kirche hatte ich in meinem Plane, ein die vorhandenen für einen Gewölbebau zu schwachen Mauern ohne Verstärkung, der größeren Billigkeit wegen, beibehalten zu können, wiederum eine Holzdecke angenommen, welche indessen, weil sie nicht mehr als ein einziger Resonanzboden wirken kann, in akustischer Beziehung zu Befürchtungen keinen Anlaß mehr geben dürfte. Das Chor habe ich gewölbt angenommen, weil hierdurch die Wölbung nennenswerthe Mehrkosten nicht erfordert werden, da ja dieser Theil des Geländes von Grund auf neu hergestellt werden muß und bedarf übrigens die Anordnung eines gewölbten Chores keiner weiteren Motivierung. Dass die oben bezeichneten Forderungen unter allen Umständen bei Wiederherstellung der abgebrannten Kirche gestellt werden müssen und dass daher eine einfache Wiederherstellung des früheren Zustandes mit den gedachten Mängeln nicht zulässig sein dürfte, ist meine maßgebliche Ansicht und glaube ich, darin der Zustimmung des Königlichen Consistorii gewiss zu sein.

Dabei ist es wohl selbstverständlich, dass bei den bekannten Vermögensverhältnissen der durch den vorig jährigen Brand so schwer betroffenen Gemeinde auf eine möglichst einfache und billige Lösung der Aufgabe hingestrebt werden muss. Aber gerade bei der bedrängten Lage halte ich es um so mehr für nothwendig, dass alle Uebelstände erschöpfend beseitigt werden und der Bau in solidester Weise ausgeführt werde, damit nicht, wenn nach einigen Jahren sich die Gemeinde von ihrer gegenwärtigen Entscheidung wie zu hoffen steht wieder erholt haben wird und dann das Geschaffene ruhiger prüft, sie mit Recht sich beklagen könne, dass mit bedeutendem Kostenaufwande nur ein mangelhaftes Gotteshaus wiederhergestellt sei.

Von diesem Gesichtspunkte aus muß ich mich auch ganz entschieden gegen eine Restauration und für einen völligen Neuaufbau des Thurms erklären, über dessen baulichen Zustand ich das Resultat meiner Prüfung schon in meinem Berichte an die Kirchen-Commission unterm 15. Mai v. J. mitzutheilen mich beehrte. Allerdings ist es sehr wohl möglich, durch Herstellung neuer Fundamente und sonstiger Reparaturen den Thurm wieder soweit herzurichten, dass er im Stande ist, ein neues Dach zu tragen und ihn überall auch für eine Reihe von Jahren zu erhalten. Es ist das aber eine sehr kostspielige Operation, deren Kosten mit dem dadurch zu Erreichenden durchaus nicht im Verhältnis stehen, denn wenn, wie schon gesagt, früher oder später die Gemeinde sich wieder erholt haben wird, so wird auch sofort der Wunsch wichtig werden einen stattlichen, weithin sichtbaren Kirchenthurm zu besitzen. Einen höhern Aufbau, welchen, um dieses zu erlangen, erforderlich würde, wird aber der jetzt zu reparierende Thurm, meiner festen Überzeugung nach nie mehr zu tragen im Stande sein und wäre man alsdann doch gezwungen, denselben abzureißen und hätte dann die sehr beträchtlichen Reparaturkosten völlig nutzlos weggeworfen. Daher halte ich es für das zweckmäßigste jetzt gleich den Thurm abzubrechen und denselben mit möglichster Benutzung der alten Materialien in solider Weise soweit neu aufzuführen, als dieses der Kirchenbau erfordert und ihn dann mit neuen einfachen Dache zu versehen. Will man dann in einer späteren günstigeren Zeit den Thurm höher und stattlicher haben, so ist das mit verhältnismäßig geringen Kosten zu machen und man wird dann keinen früheren nutzlosen Kostenaufwand zu beklagen haben. - Dieses ist meiner Ansicht nach, der richtige, bei Wiederaufbau der Kirche und des Thurmes einzuschlagende Weg.

Sollte es aber wirklich der Gemeinde allzu schwer werden, den Thurmunterbau schon jetzt neu aufzuführen, so rathe ich ferner, den Thurm vorläufig ganz so zu lassen wie er jetzt ist, ihn nicht neu zu fundamentieren, sondern ihn nur nothwendig zu reparieren und mit einem Nothdache zu versehen damit die neuen Glocken hineingehängt werden können, das Ganze als ein Provisorium betrachtend und einer besseren Zeit den Neubau eines der Kirche entsprechenden stattlichen Thurmes vorbehaltend.

Die von mir für die Ausführung des Thurms NP.3 vorläufig angenommene Bausumme von 12600 rß ist nach einem oberflächlichen Kostenüberschlage bestimmt und habe ich es für meine Pflicht gehalten, die Bausumme reichlich hoch anzugeben. Ich brauche in dieser Beziehung wohl nur auf den Thatbestand in Bezug auf Pfarrhaus mit Nebengebäude, Küsterhaus und erste Schule hinzuweisen, welche Bauten sämmtlich 12 bis 15 pr. Cent billiger als sie veranschlagt waren im Ganzen an einzelne Bauunternehmer übergeben sind. Auch werden sich immerhin voraussichtlich bei genauerer Beurteilung, besonders durch Anordnung eines niedrigeren Thurmdaches auch wesentliche Ersparungen erreichen lassen und bedarf es wohl kaum einer weiteren Erwähnung, dass solche, soweit es die Solidität und sonstigen unabweislichen Forderungen gestatten, überall von mir angestrrebt sein würden.

Endlich glaube ich es nun auch schuldig zu sein, den von dem Kirchen- und Schul-Vorstande von Ütze zu meinem großen Bedauern ausgesprochenen Vorwurf, als würden unnöthige Kosten für eine schmuckreiche Erscheinung dem im Bau begriffenen geistlichen Gebäude nach meinen Plänen aufgewandt, zurückzuweisen und zu widerlegen.