Abschrift
P. den 13. Janr. 1864 W. 20 Bl.

An
Die Kirchen Commission
Zu Uetze

Gutachten
des Baurats W. Hase
Hannover den 15. Mai 1863

Betreffend
Die durch Brand zerstörten
Geistlichen Gebäude
Zu Uetze

Im Auftrage der verehrten Kirchen-Commission von Uetze vom 6. Mai d. J. zufolge begab ich mich am 8. d. M. nach Uetze um über verschiedene, bezüglich des Wiederaufbaus der abgebrannten geistlichen Gebäude, obschwebende Fragen auch äußern zu können. Nachdem die Localbesichtigung vorgenommen war, habe ich meine Ansichten über den fraglichen Gegenstand an Ort und Stelle bereits ausgesprochen und brauche auch dieselben Hinweise folgerichtig zu wiederholen.

  1. Die Kirche anlangend, hat meine Untersuchung ergeben, daß die Umfassungsmauern derselben, das einzige, was von der mit Holz ausgebaut gewesenen Kirche übrig geblieben ist, durch den Brand nicht erheblich gelitten haben, sodaß da von Solidität derjenigen aus gleichem Material in gleicher Härten und Construction ausgeführten neuen Mauern völlig gleich zu setzen ist.
    Der Thurm der Kirche, welcher, aus früherer Zeit herstammend, an allen Seiten von oben bis unten zerrissen ist, zeigte bei einer Bloßlegung der Fundamente einen sehr schlechten Zustand, der letzteren, so daß an eine Wiederbesetzung derselben zu einem Neubau nicht zu denken ist. Die Fundamente sind nämlich, wie sich an zwei verschiedenen Stellen zeigte, trocken aufgemauert und die Zwischenräume der Mauer durch Sand zugeschlemmt; der bedeutende Breite der Mauern hat diese durch keine Bindemittel zusammengehaltenen Stand folgend frühzeitig, wahrscheinlich schon während des Baues, auseinander geschoben, wodurch die an allen Seiten, innen und außen, sichtbaren Risse des Mauerwerks sich erklären. Ein Restaurieren würde ebenso kostspielig sein, als ein völliger Neubau, daher es geraten scheint, bei dem Wiederaufbauen der Kirche auf einen völlig neuen Thurm Rücksicht zu nehmen.
  2. Das abgebrannte Pfarrgebäude hatte durch seine Situation der Hauptfronte nach Süden eine angemessene und in der Nähe der Kirche eine sehr angenehme Lage. Wenn bei den jetzt in Verschlag gebrachte Wegeregulierung der Pfarre ein angemessener Gartenraum von circa 60 QR (Quadratruten ) unmittelbar neben dem Hause genommen werden kann, so dürfte die Erbauung der neuen Pfarre auf der alten Stelle nur angerathen sein.
  3. Das abgebrannte Schulgebäude lag in der Höhe der Kirche und somit ziemlich inmitten des Dorfes. Das dazu gehörige Areal ist nun so bedeutend den Dimensionen, dass sich für den Wiederaufbau desselben auf der alten Stelle weder Schwierigkeiten bieten, noch irgend welche Gründe dagegen auffinden lassen.
  4. Der Bauplatz des abgebrannten Küsterhauses ist im Ganzen nicht sehr günstig, da seine Straßenfronte zu gering ist. Dafür war dann auch das alte Küsterhaus tief in den Platz hineingebauet. Es würde von besonderem Werthe für die Erbauung des neuen Küsterhauses sein, wenn beide Grenznachbarn sich geeinigt fänden an der Straße so viel Breite abzutreten, daß eine Normalbreite der Baufronte von circa 50 - 60 Fuß erreicht würde.

Gehorsamst
gez. Hase