Gottesdienst zum Buß- und Bettag unter dem Motto "Schuldenfrei"

(zurück) "Schuldenfrei" - Das war das Thema des regionalen Buß- und Bettagsgottesdienstes in der St.-Johannes-der-Täufer-Kirche Uetze. Elena Veith von der Schuldnerberatung des Diakonieverbandes Hannover-Land und Dr. Ralph Charbonnier, Referent für Sozial- und Gesellschaftspolitik bei der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), teilten ihren Blick auf das Thema in zwei Interviews mit den Gottesdienst-Besuchern.

Zur Einstimmung führte Pastor Dr. Tibor Anca über einen Bezug zum Propheten Amos, der die Unterdrückung der Armen 800 v.Chr. anprangerte, in die aktuelle Lage der Armut in Deutschland ein, von der insbesondere Alleinerziehende, Kinder und ältere Menschen betroffen sind.

Elena Veith von der Schuldnerberatung des Diakonieverbandes Hannover-Land stellte im Gespräch mit Diakonin Karin Lawrenz deutlich heraus, dass jeder zehnte Deutsche nicht nur verschuldet, sondern sogar überschuldet ist! Das heißt die Betroffenen sind nicht in der Lage, ihren Zahlungs-Verpflichtungen in absehbarer Zeit nachzukommen.

Diese Menschen kommen oft erst spät zu ihr, weil sie ihre Situation, die häufig mit einer Lebenskrise wie Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Scheidung einhergeht, lange zu verbergen suchen. Veith stellte fest: "Jeder kann in eine solche Situation kommen." Die Schuldnerberatung ist behilflich, eine Prioritätenliste der notwendigen Ausgaben zu erstellen. Und tritt mitunter auch moderierend in den Kontakt mit etwaigen Gläubigern ein.

Dr. Ralph Chabonnier, Referent für Sozial- und Gesellschaftspolitik bei der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), unterstrich im Gespräch mit Pastor Steffen Lahmann die Notwendigkeit, Schuldnern vorurteilsfrei zu begegnen und sie anzunehmen. "Es ist auch eine Aufgabe für Kirchengemeinden dafür zu sorgen, dass verschuldete Menschen nicht in eine soziale Isolation geraten, sondern trotz ihrer Lage am gesellschaftlichen Leben teilhaben können", sagte der Geistliche. "Dadurch, dass gegenwärtig 25% der vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor arbeiten, sind nicht nur Kinder von Armut betroffen, sondern auch die Altersarmut wird in Zukunft drastisch zunehmen" führte Charbonnier aus.

Dieser Gottesdienst stimmte die Besucher nachdenklich. Musikalisch kontrastreich war er gerahmt durch Musik und Gesang, der von Hans-Joachim Rinnau am Klavier, Heidi Kück an der Querflöte und Nicholas Witzig an den Percussions begleitet wurde.

Im Anschluss kamen die Besucher noch bei einer Kürbissuppe und Getränken im Seitenschiff der Kirche an einer langen Tafel zusammen, um sich über die Impulse des Abends auszutauschen.

Marion Arth