vor 1910?
So könnte die Pfarrscheune vor dem Umbau 1910 ausgesehen haben. Bei dem Bild handelt es sich um eine Montage. Fotos gibt es aus dieser Zeit nicht.
1969
Blick in den alten Kornspeicher kurz vor dem Umbau 1970. Später wurden dort Brennholz und Kohle gelagert.
1961
Die Aufnahme der Jugendgruppe vor dem Gemeindehaus entstand 1961. Gemeindeschwester Anna verdeckt teilweise den Eingang zu den beiden Gemeindesälen von 1910/11. In der Mitte des Gebäudes ist noch das zugemauerte Scheunentor zu erkennen. Ganz rechts ist die Tür und das Fenster zur alten Waschküche zu sehen.
1965
Konfirmation 1965
1965
Konfirmandenunterricht im alten Gemeindesaal von 1910.
1965
Kleidersammlung 1965: Der alte Scheunentrakt diente noch bis 1970 als Lagerr.

Pfarrscheune - Gemeindehaus - KiZ

Spiegel des Wandels einer ländlichen Kirchengemeinde

(zurück) In den Tagen nach Ostern 2019 wurde das alte Gemeindehaus abgerissen, um Platz für das neue Gemeindezentrum (KiZ) zu schaffen. Die 150-jährige Geschichte dieses historischen Gebäudes, das ursprünglich als Pfarrscheune diente, erzählt auch vom Wandel einer ländlichen Kirchengemeinde in den letzten 150 Jahren:

6. Mai 1863: Neubau der Pfarrscheune

Uetze liegt zwei Wochen nach dem großen Brand am 21. April in Schutt und Asche. Auch die erst 26 Jahre alte Kirche und die umliegenden kirchlichen Gebäude sind niedergebrannt. Um einen schnellen Wiederaufbau zu ermöglichen, beauftragt der Kirchenvorstand einen der bedeutendsten Kirchenarchitekten des 19. Jahrhunderts mit dieser Aufgabe: den Konsistorialbaumeister Conrad Wilhelm Hase. Um die Kirche herum sind vier weitere kirchliche Gebäude neu zu errichten: Das Küsterhaus, das Schulgebäude nördlich der Kirche, das 1966 dem neuen Postgebäude in der Kaiserstraße weichen musste sowie das Pfarrhaus mit der zugehörigen Pfarrscheune.

Wirtschaftsgebäude gehören in dieser Zeit noch zu jedem größeren ländlichen Pfarrhaus. Der Lebensunterhalt der Pastorenfamilien, aber auch der Küster, Kantoren und Pfarrwitwen, wird in den ländlichen Kirchengemeinden auch Mitte des 19. Jahrhunderts noch fast ausschließlich durch das Pfründevermögen der Kirche sichergestellt. Hierzu sind Getreide- und Brennholzspeicher, Scheunen für Pferdegespanne sowie Viehställe erforderlich.

1910/11: Zwei neue Gemeindesäle

Nach der Einführung der Kirchensteuer in Preußen am 22.3.1906 wird das Pfründesystem auch in ländlichen Gemeinden endgültig durch ein festes Pastorengehalt abgelöst, eine große Pfarrscheune wird nicht mehr benötigt. Im Westflügel des Gebäudes entstehen für 3032,50 Mark aus den Einnahmen des aufgelösten Pfarrwitwentums zwei Gemeindesäle, die durch eine Faltwand getrennt sind und so auch für größere Veranstaltungen genutzt werden können.

Der Ostflügel bleibt als Wirtschaftstrakt mit Lagerräumen und Waschküche erhalten. Das große Scheunentor wird zugemauert, für den Leichenwagen wird zwischen Pfarrhaus und Gemeindesaal ein Anbau errichtet.

1969/70: Erweiterung des Gemeindesaals

Die Gemeindegliederzahl hat sich seit dem Umbau 1910 - vor allem durch Zuzüge nach dem 2. Weltkrieg - fast verdoppelt: von 2662 im Jahr 1910 auf über 5000 um 1970. Pro Jahrgang müssen annähernd 100 Konfirmanden im Gemeindesaal unterrichtet werden, eine zweite Pfarrstelle wird erst 1972 eingerichtet. Die 60 Jahre alten Gemeindesäle sind daher für viele Veranstaltungen zu klein geworden und nur schwer zu beheizen. Der verbliebene Scheunentrakt im Ostflügel muss einem vergrößerten Gemeindesaal mit Ölheizung weichen - in einer Zeit, als Öl nur wenige Pfennige kostet und der Zusammenhang zwischen fossilen Brennstoffen und Klimawandel noch unbekannt ist. Die Trockentoilette im alten Scheunentrakt wird durch WC-Räume im alten Garagenanbau ersetzt, daneben entsteht ein Ölspeicher.

April 2019: Abriss

Drohende Erhaltungskosten, explodierende Bewirtschaftungskosten, sinkende Gemeindegliederzahlen sowie die Forderung der Landeskirche zur deutlichen Reduzierung der Raumflächen besiegeln den Abriss des 150 Jahre alten Gebäudes, der einen Tag nach Ostern, am 23. April beginnt. Es soll durch das neue Gemeindezentrum (KiZ) ersetzt werden, um langfristig Kosten zu sparen.

1970
Das Gemeindehaus zu Beginn der Umbauarbeiten 1969. Links wurde schon der neue Gemeindesaaleingang eingebaut. Die alte Gemeindesaaltür liegt rechts vor der Waschküche.
1970
Der alte Gemeindesaal zu Beginn der Bauarbeiten 1969: Noch trennt eine Wand den alten Saal vom verbliebenen Scheunentrakt. Am Boden liegen schon die neuen Heizkörper.
1970
Der neue Gemeindesaal kurz nach der Fertigstellung.
30.04.2019
Am 23. April 2019 beginnen die Abbrucharbeiten. Am 30. April ist der Ostteil des Gebäudes bereits verschwunden.
30.04.2019
Der Westteil des Hase-Bauwerks steht noch.
03.05.2019
Die letzte Giebelwand fällt am 3. Mai 2019.