Unsere Kirchen
Die Uetzer Johannes-der-Täufer-Kirche

Drei Vorgängerbauten seit dem Mittelalter sind belegt

Seit Jahrhunderten prägt unsere Johannes-der-Täufer-Kirche mit ihrem weithin sichtbaren, schiefergedeckten Turm das Uetzer Ortsbild. Schon seit dem Mittelalter steht an dieser Stelle im Zentrum des Ortes eine Kirche. Vor der Errichtung der heutigen Johannes-der-Täufer-Kirche, die 1867 unter der Bauleitung von Conrad Wilhelm Hase (* 2. Oktober 1818 in Einbeck; † 28. März 1902 in Hannover) fertiggestellt wurde, standen an gleicher Stelle mindestens drei Vorgängerbauten:

1867: Die heutige Hase-Kirche
Eine Kombination aus Alt und Neu: Hases Handschrift unverkennbar

Das heutige Gebäude wurde von 1864 bis 1867 nach den Plänen von Conrad Wilhelm Hase unter Verwendung der alten Bruchsteinmauern des 1863 niedergebrannten Vorgängerbaus errichtet. Der für Hase typische neogotische Baustil zeigt sich äußerlich vor allem am Backsteinchor im Osten, mit dem der berühmte Konsistorialbaumeister die Kirche gegen den anfänglichen Widerstand des Uetzer Kirchenvorstands erweiterte.

Auch im Inneren ist Hases Handschrift unverkennbar: Den vormals „rechteckigen, von glatten Mauern geschlossenen ... freien kahlen Raum" des Vorgängerbaues gliederte Hase durch Backsteinsäulen und spitzbögige Arkaden in ein Mittelschiff und zwei Seitenschiffe. Diese Maßnahme diente nicht nur der Verschönerung, sondern sollte auch die Akkustik verbessern, die im hallenartigen Vorgängerbau mit einem „wie ein großer Resonanzkörper wirkenden" Brettergewölbe nach Hases Einschätzung nicht optimal gewesen sein soll.

Die alten, wohl aus dem 17. Jahrhundert stammenden Turmmauern, die trotz ihrer Baufälligkeit den Flammen widerstanden hatten, mussten auf Hases Betreiben abgetragen und unter Verwendung der alten Bruchsteine auf einem stabilen Fundament neu gemauert werden. Bei einer Untersuchung des alten Turmfundamentes hatte Hase zuvor eine folgenreiche Bausünde der ersten Erbauer des Turms festgestellt, die das Fundament ohne Bindemittel trocken aufgemauert und nur mit Sand verschlemmt hatten, was schon frühzeitig, wahrscheinlich schon während der Bauzeit, zu Rissen im Mauerwerk führte. Schon in der Beschreibung der alten Kirche aus dem Jahr 1734 geht Pastor Christiani in eindringlichen Worten auf die Folgen dieser Bausünde ein. Dennoch wurde der baufällige Turm beim Abriss der alten Kirche im Jahr 1837 - wohl aus Kostengründen - stehen gelassen, und in den Neubau von Friedrich Hellner integriert.

Die neue Orgel fertigte 1868 der Hildesheimer Orgelbauer Heinrich Schaper an. Der Entwurf des neugotischen Orgelprospekts stammt von Conrad Wilhelm Hase selbst. Die Glocken kamen aus der Hildesheimer Glockengießerei Radler.


Einweihung nach dreijähriger Bauzeit durch Superintendent Freytag, Sievershausen

Superintendent Freytag aus Sievershausen weihte die neue Kirche am 22. Juli 1867 feierlich ein, wohl seine letzte Amtshandlung in Uetze, da unsere Kirchengemeinde wenig später vom Kirchekreis Sievershausen zum Kirchenkreis Burgdorf wechselte.

Größere Baumaßnahmen und Sanierungen:

1897: Neue Fenster - alte Kunstgegenstände

Unter der Leitung des von Hase empfohlenen Architekten Jacob aus Hannover wird die Kirche 30 Jahre nach der Fertigstellung überwiegend von Uetzer Handwerkern renoviert. Der damals amtierende Pastor Lütkemann führt in seiner 1898 erschienenen Uetzer Chronik die folgenden Maßnahmen auf:

  • Vier Uetzer Malermeister führen gemeinsam umfangreiche Malerarbeiten durch.
  • Die Kirche erhält zwei Öfen, aufgestellt vom Uetzer Meister Grotewold.
  • Schmiedemeister Immohr übernimmt die Herstellung der 42 schmiedeeisernen Wandleuchten.
  • Die Maurermeister Oetzel und Homann erbauen Windfänge an den beiden Seitentüren, wofür Meister Stolte das Gerüst stellt.
  • Die drei bunten Fenster im Chor werden von der hannoverschen Glasmalerei Henning & Andres gestaltet.
  • Drei Kunstgegenstände aus dem nachreformatorischen Kirchenbau, die auf dem Dachboden des Junkernhofes den Brand überdauert hatten, weil sie im niedergebrannten Vorgängerbau nicht wieder verwendet worden waren, werden restauriert und wieder aufgehängt:
    - Die Mosesstatue
    - die 1666 vom Patron gestiftete Taufkrone
    - Das Gemälde Johannes des Täufers
1963: Die Kirche wird hell

100 Jahre nach dem Uetzer Brand wird die Johannes-der-Täufer-Kirche für 148.270,86 DM umfangreich renoviert:

  • Die Kirche bekommt unter dem Turm einen neuen Haupteingang.
  • Die Sakristei wird vom südlichen Chor in den Sockel des Turms verlegt.
  • Die Nordempore mit der Patronatsprieche im Nordflügel des Chors wird auf die Länge der Südempore um zwei Joche verkürzt.
  • Die Orgelempore wird auf das ursprüngliche Maß zurückgebaut.
  • Eine neue Ölheizung wird eingebaut.
  • Eine neue Beleuchtung und ein elektrisches Glockenwerk werden installiert.
  • Die Kanzel wird von der rechten auf die linke Seite verlegt.
  • Der alte Farbanstrich wird durch schlichtes Weiß ersetzt.

Die Bauleitung übernimmt der Baubeauftragte des Kirchenkreises, Architekt Hornbostel, der drei Jahre später auch den Bau der Michaeliskirche in Katensen begleitet.

Bildergalerie: Kirchenrenovierung von 1962 bis 1963
1968: Orgelrenovierung

Die Orgel wird von der Firma Hillebrand aus Altwarmbüchen umfangreich saniert.


1973: Neue Dächer

Das über hundert Jahre alte Schieferdach des Kirchturms muss erneuert werden. Herunterfallende Schieferschindeln aufgrund durchgerosteter Nägel hatten zuvor zu einer eineinhalb Jahre langen Sperrung des Haupteingangs geführt.

Im Folgejahr wird auch das ebenso alte Dach des Kirchenschiffs neu eingedeckt.

1998 - 2002: Sanierung in drei Phasen

In drei Bauabschnitten wird die Kirche von 1998 bis 2002 umfassend renoviert:

1. Bauabschnitt 1998:
  • Am Bruchsteinmauerwerk des Turms werden die ausgewaschenen Fugen ausgebessert, da herabfallende Mörtelteile zur Gefahr für Bauwerk und Gottesdienstbesucher werden,
  • Die alten Bleiglasfenster müssen vollständig erneuert werden.
  • Die erneuerten Buntglasfenster werden durch vorgesetzte Plexiglasscheiben gegen den zunehmenden Vandalismus geschützt.
2. Bauabschnitt 2000-2001:
  • Wände und Decken werden neu gestrichen,
  • Die Bänke werden runderneuert und dabei ein Mittelgang geschaffen, ein Plan, der bereits 1963 angedacht war, aber aus Kostengründen zunächst fallengelassen wurde
3. Bauabschnitt 2002:
  • Die Orgel wird renoviert
Bildergalerie: Kirchenrenovierung von 1998 - 2002
1837-1863: Die Hellner-Kirche
Ein ganzes Jahrhundert lang gefordert, nur ein viertel Jahrhundert gestanden

Die bereits 1734 von Pastor Christiani geforderte Erweiterung der schon damals baufälligen Kirche, die nicht mehr genügend Platz für die wachsende Gemeinde bot, konnte aus finanziellen Gründen erst ein Jahrhundert später verwirklicht werden: Die alte, zu kleine Kirche wurde durch einen Neubau ersetzt, der 1837 unter der Leitung des Konsistorialbaumeisters Friedrich August Ludwig Hellner, dem Vorgänger von Conrad Wilhelm Hase, fertiggestellt und schon Weihnachten 1837, nach einjähriger Bauzeit, durch Superintendent Fromme aus Sievershausen eingeweiht werden konnte: Ein schlichter Bau mit klassizistischen Elementen, errichtet aus Bruchsteinen vom Fisserberg bei Eddesse. Der alte, einsturzgefährdete Turm des Vorgängerbaus wurde aus Kostengründen zunächst stehen gelassen und in den Neubau intergiert, vermutlich, um ihn zu einem späteren Zeitpunkt zu erneuern, sofern hierfür wieder Mittel zur Verfügung stehen sollten.

Die Kirche war mit einer für Hellners Kirchen typischen klassizistischen Altarwand mit integrierter Kanzel über dem Altar ausgestattet. Eine genaue Beschreibung dieser Altarwand finden wir in der Beschreibung von Pastor Schreiber aus dem Jahr 1861.

4000 Reichstaler hatten die Uetzer Gemeindeglieder für den über hundert Jahre lang geforderten Kirchenneubau durch Spenden und Kollekten zusammengetragen und die Bauarbeiten durch unzählige Hand- und Spanndienste unterstützt und mussten selbst noch - nur ein Vierteljahrhundert nach der Einweihung - die Zerstörung ihrer mit viel Eigenleistung errichteten Kirche erleben, die am 21. April 1863 zusammen mit dem größten Teil des Dorfes dem großen Brand von Uetze zum Opfer fiel.

Vier interessante Dokumente und ein 'Nachbau' in der Nähe

Zur Errichtung der Kirche gibt es interessante Tagebuchaufzeichnungen des Meinerser Amtshauptmanns Carl Johann Georg von Düring, die in der Uetzer Chronik von Dorothea und Günter Radtke abgedruckt sind.

Eine ausführliche Beschreibung dieser Kirche, die nur 25 Jahre stand, hat uns der damalige Uetzer Pastor Georg Wilhelm Schreiber 1861 hinterlassen - nur zwei Jahre vor dem großen Uetzer Brand.

Die einzige Abbildung des Gebäudes ist ein Gemälde von 1863, auf dem der Besuch des Königs Georg V und des Kronprinzen Ernst-August am 3. Mai 1863 dargestellt ist. Hunderte Uetzer sind dabei, als Pastor Schreiber den Besuchern aus Hannover die Kirchenruine zeigt.

Schon drei Tage nach diesem Besuch, am 6. Mai 1863, beauftragt die Uetzer 'Kirchen-Comission' den Konsistorialbaumeister Conrad Wilhelm Hase mit dem Wiederaufbau der Kirche und der umliegenden kirchlichen Gebäude (Pfarrhaus, Küsterhaus, Pfarrscheune und Schule, die Mitte des 19. Jahrhunderts noch der Kirche unterstellt war und auf dem Grundstück nördlich des Kirchhofes stand). Hase reiste schon zwei Tage nach dem Auftrag nach Uetze, um die Schäden an der Kirche und den anderen niedergebrannten kirchlichen Gebäuden zu begutachten. Eine Transkription des im Anschluss von Hase erstellten Gutachtens finden Sie hier.

Wer sich einen optischen Eindruck von diesem nur 25 Jahre genutzten Vorgängerbau verschaffen möchte, sollte einmal die Kirche in Meine (Kreis Gifhorn) besichtigen, eine "Kopie" der niedergebrannten Uetzer Kirche: Hellner errichtete dort im Auftrag der Kirchengemeinde Meine 1854 - 1855 nach den Plänen der 17 Jahre zuvor errichteten Uetzer Kirche die St. Stephani-Kirche. Auch die dortige Altarwand mit zentral angeordneter Kanzel oberhalb des Altars entspricht bis heute exakt der überlieferten Beschreibung von Pastor Schreiber aus der niedergebrannten Uetzer Kirche. Da die Position der Kanzel über dem Altar zur Bauzeit nicht mehr den neuen, maßgeblich von Hase geprägten Regularien des Konsistoriums entsprach, kam es in Meine sogar zu einem vorübergehenden Baustopp.

bis 1837: Die nachreformatorische Kirche
Die 1837 abgerissene Kirche

Auch für den Nachfolgebau ist das Baudatum nicht bekannt. Belegt ist nur, dass 1618, kurz vor dem 30-jährigen Krieg, ein Steinturm errichtet wurde. Mehrere Dokumente aus späteren Zeiten lassen vermuten, dass dieser Turm von Anfang an wegen gravierender Baumängel im Fundament instabil war und immer wieder notdürftig repariert werden musste. Vermutlich gehörte er bereits zur neuen Kirche, die auf dem Uetzer Merian-Stich von 1654 abgebildet ist und von der auch eine detaillierte Beschreibung im Corpus Bonorum vorliegt, niedergeschrieben 1734 von Herman Conrad Christiani, der von 1702 bis 1751 Pastor in Uetze war und dessen Familiengrabstein noch heute an der Südwand unserer Kirche steht. Er schreibt u. a.:

"Die Kirche ist klein, so daß fast der Halb Schied der Eingepfarrten nicht hinnein kommen kann, ist etwa sampt dem Thurm nur 64 Fueß lang und 27 ½ Fueß breit; Gegenwärtig in schlechten Zustande."

Weiter unten wird der baufällige Turm beschrieben:

"Es ist ein ziemlicher hoher Thurm mit einer Spitzen und gantz mit Schiefer gedecket hinten an der Kirchen, dabey aber die Mauren an verschiedenen Orten gantz geborsten, in welche Ritzen zwar hin und wieder eiserne Klammern geleget, allein wan geläutet wird mit beyden Klocken, so oben im Thurm sind, thun sich die Riße auf und von einander, daß es fürchterlich anzusehen und man besorgen muß, wan nicht bald Schrad-Mauren an dem Thurm in die Höhe geführet werden, er gar einmahl umfallen und viele Menschen beschädigen und gar töten mögte. Ein altes Uhrwerk ist in dem Thurm, welches weit über hundert Jahr alt ist, und zuweilen weil die Räder abgängig und gantz ausgeschleifet sind, sehr unrichtig gehet."

Trotz aller Mängel wurde diese Kirche erst 1837, über 100 Jahre nach Christianis Niederschrift, durch eine größere Kirche ersetzt.


Relikte der alten Kirche: Die Gruft und drei Kunstgegenstände

Nur wenig erinnert heute noch an diesen Vorgängerbau. Erhalten ist die Patronatsgruft unter der heutigen Kirche, deren Zugang ursprünglich im Inneren der alten Kirche zu finden war.
Auch drei Kunstgegenstände unserer heutigen Kirche stammen noch aus diesem Vorgängerbau:

  1. Die Moses-Figur im Altarraum
  2. Die hölzerne Taufkrone über dem Taufbecken
  3. Das Gemälde des Evangelisten Johannes

Dass sie den großen Uetzer Brand im April 1863 überstanden, verdanken sie dem Umstand, dass sie vor dem Abriss der alten Kirche auf dem Dachboden des Junkernhofs gelagert wurden, wo man sie erst 1897 wieder entdeckte und in der neu renovierten Kirche wieder anbrachte.

13. bis 16. Jh.: Die mittelalterliche Kapelle
Bau der ersten Kapelle wahrscheinlich schon vor 1200

Ein Gründungsdatum für die erste Uetzer Kirche ist nicht überliefert. Den ältesten Beleg für ein kirchliches Gebäude in Uetze finden wir indirekt in einer Urkunde des Hildesheimer Bischofs Hartbert vom 15. August 1215: Dort wird zwar explizit noch keine Kirche erwähnt, aber bereits ein Geistlicher (Conradus sacerdos de Uttessem) als Zeuge aufgeführt. Es muss also bereits zu diesem Zeitpunkt eine Kapelle im mittelalterlichen Uetze gestanden haben, die selbst aber erst 74 Jahre später, im Jahr 1289, erstmalig in einer Urkunde erwähnt wird.

Da die Christianisierung Sachsens bereits im Zuge der Sachsenkriege Karls des Großen engeleitet wurde, ist die Gründung der hiesigen Kirche lange vor der ersten Erwähnung sehr wahrscheinlich. Sofern die Kapelle ursprünglich als Eigenkirche der Herren von Uttessem errichtet wurde, wie es zum Beispiel in der Uetzer Chronik von Dorothea und Günter Radtke vermutet wird, muss dies schon vor dem Investiturstreit gewesen sein, der 1122, also 100 Jahre nach der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes, mit dem Wormser Konkordat beendet wurde, da in der Folge die Eigenkirchen in Patronatskirchen umgewandelt wurden.

Über das Gebäude selbst wissen wir wenig. Ein hölzerne Kirchturm ist erstmals für das Jahr 1562 belegt. 1585 erhielt der Turm eine Schlaguhr.

800(?) Jahre Kirchenpatronat der Herren vom Junkernhof

Zu Lebzeiten des erstgenannten Uetzer Priesters Conradus hatte die Ortschaft Uetze (Uttessem) nachweislich bereits über 200 Jahre bestanden. Die Herren des hiesigen Rittergutes, bis 1503 die Familie von Uttessem, die vom Hildesheimer Bischof mit dem Rittergut sowie dem Kirchenpatronat belehnt waren, lassen sich bis ins Jahr 1202 nachweisen. Es ist aus diesen Gründen sehr wahrscheinlich, dass sich das geistliche Leben in Uetze unter dem Patronat des Rittergutes bereits deutlich vor 1200 entwickelt hat.

Das Patronat hatte über 700 Jahre Bestand. Die Gruft unter der Johannes-der-Täufer-Kirche ist seit Jahrhunderten die letzte Ruhestätte der Familie von Lüneburg, die das Patronat 1624 von der Familie von Saldern übernommen hatte. Der letzte Uetzer Kirchenpatron war Heinz-Henning von Reden vom Rittergut Wathlingen (verstorben 1989), Ehemann von Ilse geb. von Lüneburg (verstorben 1965). Beide wurden als letzte Angehörige der Familie von Lüneburg in der Familiengruft unter unserer Kirche beigesetzt.

‚Johannes-der-Täufer-Kirche' mit 400 Jahren Unterbrechung

Die älteste Überlieferung des Namens ‚Johannes-der-Täufer-Kirche' liegt in einer Urkunde vom 21. Dezember 1313 vor, in der ein Famulus Johannes de Stedere der Kirche seinen Hof verkauft. Das Patrozinium auf Johannes den Täufer geriet nach der Reformation in Vergessenheit. Erst seit 1965 trägt die Kirche wieder ihren überlieferten Namen, nachdem Pastor Gelin diesen im Zuge der Kirchenrenovierung zwei Jahre zuvor in der genannten Urkunde entdeckt hatte. Eine Figur Johannes des Täufers im Altarraum erinnert seit 1989 an diese Tradition.

Die Katenser Michaeliskirche

Kirche mit Doppelfunktion

Seit Jahrhunderten gehört auch Katensen zur Kirchengemeinde Uetze. Der Straßenname "Uetzer Kirchweg" erinnert noch heute an die Zeit vor dem Kirchenbau, als die Katenser zum Gottesdienst nach Uetze fahren - oder laufen - mussten. Erst seit 1967 haben die Katenser ihre eigene Kirche.

Die Planungen, neben dem Friedhof der damals noch eigenständigen Gemeinde Katensen eine Kapelle zu errichten, begannen bereits 1965. Hand in Hand mit der Uetzer Kirchengemeinde gelang es den Katensern unter Federführung des Bürgermeisters Otto Santelmann und des Katenser Kirchenvorstehers Otto Schrader, den Bau einer kombinierten Friedhofskapelle und Gottesdienststätte insbesondere aus den folgenden Gründen voranzutreiben:

  1. Auf dem kommunalen Katenser Friedhof gab es keine Möglichkeit zur Aufbahrung der Verstorbenen und zur Durchführung von Trauerfeiern. Bis zur Fertigstellung der Michaeliskirche fanden die Trauerfeiern in den Häusern statt, wo die Verstorbenen auch aufgebahrt wurden.
  2. Die Einwohnerzahl in Katensen hatte sich nach dem Krieg insbesondere durch Zuzug vieler Flüchtlinge nahezu verdoppelt und stieg weiter an. Daraus erwuchs der Wunsch nach einer eigenen Gottesdienststätte.

Die Baukosten von 186.000 Mark teilten sich die Gemeinde Katensen (60.000 DM), die Kirchengemeinde Uetze (40.000 DM) sowie die Landeskirche Hannovers (80.000 DM). Die verbliebenen Kosten wurden über Spenden getragen. Das 800 Quadratmeter große Grundstück stellte die Gemeinde Katensen bereit. Die Architekten Hornbostel und Brocke aus Lehrte übernahmen die Planung und Bauleitung.

Mit ihrem Namen soll die Doppelfunktion als Gottesdienststätte und Friedhofskapelle zum Ausdruck gebracht werden: Der Erzengel Michael galt im Mittelalter sowohl als Patron der Kirchen als auch der Sterbenden. Das vom Uetzer Grafiker Günter Radtke (* 27. Februar 1920 in Insterburg; † 3. Januar 2018 in Hamburg) entworfene Wappen der Kirche symbolisiert den Namen der Kirche sowie ihre Doppelfunktion: Der Drache vor dem Kreuz steht nach biblischer Symbolik für den Sieg des Erzengels Michael über den Teufel (Symbol für das Böse) in Gestalt eines Drachen. ( Offb 12,7-9)

Am 29. September 1967 (Michaelistag) wurde die neue Kirche durch Landessuperintendent Peters gemeinsam mit Pastor Gelin und Pastor Böhlke (Hänigsen) in einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht.

Bildergalerie: Bau der Michaeliskirche 1966 - 1967