Urkunden und Dokumente zur Baugeschichte unserer Kirchen
Dokumente zur Baugeschichte der Johannes-der-Täufer-Kirche
Pastor H. C. Christiani: Beschreibung der alten Kirche im Corpus Bonorum von 1743

Hoch-Ehrwürdiger und Hochgelehrter,
Hochzuehrender Superintendens, Hochgeneigter Gönner
und liebwertester Herr Vetter !

Da unser Königliches, Churfürstliches Preißwürdiges Consistorium ohnlängst sub dato den 15 t Febr: a. c. hochgeneigt beliebet und befohlen, daß von allen Kirchen das Corpus Bonorum richtig angezeiget, und zu dem Ende eine Anweisung von 28 Haupt-Qvaestionibus und Articuln gegeben, worauf ein jeder Prediger Antwort und Nachricht geben solle, so habe solchen allen schuldigster maßen gehorsanst nachkommen und hiemit berichten sollen und wollen und zwar ad

  1. nam qvaest. In welcher Inspection, Ambt und Gericht die Kirche belegen sey? so melde hierauf in der Sievershäuserschen Inspection, im Ambt Meinersen, auch zugleich mit im Gericht des Herrn Hofjunkern von Lüneburgs Hochwolgebo. als welcher auch rechtmäßiger Patronus hiesiger Kirche von Ütze ist.
  2. Die Kirche ist klein, so daß fast der Halb Schied der Eingepfarrten nicht hinnein kommen kann, ist etwa sampt dem Thurm nur 64 Fueß lang und 27 ½ Fueß breit; Gegenwärtig in schlechten Zustande : Soweit das Chor gehet mit einem Schwipbogen gewölbet, übrigens in der Mitte und unten mit schlechten alten Brettern beleget. Es ist auch eine kleine Orgel mit mehrentheils höltzernen Pfeifen darin, welche für 70 oder 80 Jahren des jetzigen Herrn von Lunebourgs seeliger He. Großvatter Fridrich von Lüneburg, sampt dem Taufstein und einem Meßings Tauf Becken darinn verehret, welcher auch jährlich dem Organisten, der zugleich Custos templi ist, für das Spielen der Orgel 10 Rthl. giebet. NB. Für das Geleute der Klocken wird bey Copulationen, Kindtaufen noch Begräbnißen auch nicht von Fremden überall nichts gegeben.
  3. Ein Kirchen Stuel Register ist hier von Anfange nicht gehalten und eignen sich die Eingepfarreten dieselben von langen Zeiten her erb- und eigen bey ihre Häuser zu, hingegen muß ein jeglicher Haußwirth oder ein anderer seinen Kirchen-Stuhl selber bauen und im Stande erhalten. Für 70 oder 80 Jahren sollen die Stüele einmahl numeriret und Zetteln daran geschlagen seyn, welche die Inhaber der Stüele wieder abgerißen und nichts geben wollen. Vorwendend wan in oder an der Kirche was nothwendiges und erhebliches zu bauen, so müßten auch umsonst daran arbeiten und mit Spann- und Handdienst darzu helfens wollten auch sonsten noch ferner nach Vermögen dienen und helfen, auch versprechen sie wan die Kirche erweitert und größer gemacht würde, sollte ein jeglicher seinen Stuhl lösen und ein gewisses Geld geben, wobey es den damahls und noch biß auf diese Zeit dabey geblieben, und wollen sich die Eingepfarrten nichts neues, wie sie sprechen, aufbringen laßen .
  4. Es ist ein ziemlicher hoher Thurm mit einer Spitzen und gantz mit Schiefer gedecket hinten an der Kirchen, dabey aber die Mauren an verschiedenen Orten gantz geborsten, in welche Ritzen zwar hin und wieder eiserne Klammern geleget, allein wan geläutet wird mit beyden Klocken, so oben im Thurm sind, thun sich die Riße auf und von einander, daß es fürchterlich anzusehen und man besorgen muß, wan nicht bald Schrad-Mauren an dem Thurm in die Höhe geführet werden, er gar einmahl umfallen und viele Menschen beschädigen und gar töten mögte. Ein altes Uhrwerk ist in dem Thurm, welches weit über hundert Jahr alt ist, und zuweilen weil die Räder abgängig und gantz ausgeschleifet sind, sehr unrichtig gehet. Wan etwas daran zu repariren ist oder rein gemacht wird, muß solches nach alter Observantz die Kirche thun laßen.
  5. Ein Filial hat die Kirche ehhie zu Ütze nicht, sondern alle Eingepfarrten müßen hier zur Kirchen kommen, ihre Kinder auch hier zur Taufe, und Todte oder Leichen hierher alle zur Kirchen oder Kirchhof bringen. Es sind auch einige kleine Oerter hier eingepfarret, nahmentlich (1) Abele von 5 Häusern (2) Benrode von 2 Höfen (3) Catensen von -16 Häusern groß und kleinen (4) Darenhorst von 2 Höfen (5) Wackerwinkel von 3 Haußwirthen und (6) eine einzelne Mühle, die Köhtgen-mühle genandt, welche allerseits unter die jurisdiction des Königl. Amts Meinerßen gehören, und wie schon gemeldet, alle ohne Unterschied hieher zur Kirche kömmen müßen.
  6. Der Patronus ist schon oben qaest. 1ma gemeldet. Ein Fundations-Brief ist dieser wegen bey der Kirche nicht vorhanden.
  7. Eine Mater combinata ist hier auch nicht, sondern nur eine Mater absqe filia, wie schon gemeldet.
  8. Ein feßter Eichen-Schrankk mit 2 Vorhangsschlößern findet sich in der Sacristey bey der Kirchen, darin aber keine alte Docunenta wegen der Kirchen befindlich sind. Ein alt Kirchen Buch, darinnen der Kirchen und Pfarren Einkommen verzeichnet ist, findet sich, darinn auch die vornehnsten Uhrkunden des Corporis Bonorun der Kirchen aufgeschrieben. Es ist aber sehr alt und im Bande fast gantz zerrißen.. Sonsh haben meine seeligen Antecessores keine absonderlich Copialbuch, außer gemeldten altensälten Buche gehalten. Doch werden die Obligationes über die Capitalia so der Kirchen gehören von dem Prediger wol in acht genomnen. ...
  9. Rein Korn und andere Früchte hat Kirche alhie gar nicht einzunehmen, außer 5 Himten rohten Weitzen von dem Kloster Riddageshausen für Braunschweig, welche gedachte 5 Himten Weitzen bißher der Voigdt zu Heerdorf von einem Klosterhofe daselbst, welcher dem Kloster Riddageshausen gehöret, bißher ausgegeben. Dieses Jahr aber hat es nach vielfältigem Mahnen das kloster selbst ausgegeben und mir schreiben laßen, daß ich zuforgedachte 5 Himten rohten Weitzen durch expressen Bohten alle Jahr von Riddagsbhausen holen laßen mögte, und ist dieses sonder Zweifel ein alt legatum von dem Kloster, davon aber keine Nachricht finde, als daß in denen alten Registern stehet, der Mönchhof zu Meerdorf giebet alle Jahr 5 Himten rohten Weitzen. Das Verdrießlichste hievon ist, das es gantz unrein Korn und mehr als halb Raden ist. Fürs (2) daß man so oft darnach schicken und mannigsmahl vergebliche Wege darnach thun muß. Wan ich eine eigne Fuhr dahin schicken sollte würde das Fuhrlohn fast so hoch kommen als der Weitzen wehrt. Darum muß man den Weitzen alle Jahr daselbst, soviel solch unrein Korn nur immer gelten kann, verkaufen, den sonsten würde die Kirche darunter leiden. Den Boten der dahin gehet und solches Geld oder Weitzen abfordert, muß die Kirche, wie allezeit vorhin geschehen, lohnen.

    Ad § 10. 11. et 12. Ist hier gar nichts einzunehmen. Die Kirche bekommt zwar nach Anzeige gedachten alten Kirchen Buches von 70 Morgen Landes insgesampt den Canonem oder Erbzinß, aber nur von jedem Morgen 3 Pfenning solches beträgt von allen 70 Morgen, wie es im Kirchen Buche stehet, überall Landzinß jährlich 1 Rthl. 5 mgl 7.3, welche alleß der Kirchen zur Einnahme, unter der Rubric Land-Zinß, richtig berechnet werden.
    Dieser canon oder Land-Zinß steiget und fällt nicht, ob gleich die Leute in Bezahlung dieses elenden Dreyers von 1 Morgen sehr difficil sind und öfters sehr damit tardiren, so ist doch die Einnahme davon alle Jahr gleich. Es haben auch die Vorfahren, wie aus alten Registern von fast 200 Jahren her zu ersehen nichts mehr als oberwehnte 1 Rthl. 5 mel 7 von allen 70 Morgen Landes gegeben (welches gewiß wenig genug ist). Sie sind in possion, weil die Possessores dieses Landes solches jederzeit unveränderlich als ein Erbe bey ihren Höfen gehabt, auch alle ihre Vorfahren überdem sonsten hievon Zinß-Korn ans Ambt Zehnten, Contribution und andere viele onera von abtragen müßen , daher man auch nirgends findet oder lieset, daß die Kirche hievon ein mehreres bekommen hätte: . .

  1. Die Kirche bekommt alle Jahr 5 Rthl. 14 mgl Wiesen Zinß, gleichfalls pro canone, so nicht höher steiget auch nicht fällt, sondern alle Jahr einerley Einnahme hievon ist, und geben sie nach mehr gedachten alten Kirchen Buch von jeglichem Fuder Heu nur 4 mgl. Die Leute, welche die Wiesen haben und obgedachte 5 Rthl. 14 ngl Wiesen Zinß zu geben schuldig sind, derer ihre Nahmen werden alle Jahr in denen Kirchen Registern unter der ersten Rubric Wiesen Zinß ausdrücklich mit ihren eigenen Nahmen genannt und bleiben die Wiesen gleichfalls erblich bey ihren Höfen, davon auch die Besitzer ohne dem an die Obrigkeit auch noch wol anderen Wiesen Zinß und alle anderen viele onera abtragen müßen.
  2. Die Kirche hat 5 Leute, welche von ihren Gartenjährlich an die Kirche einen gewißen canonem oder Erb-Zinß geben müßen, der gleichfalls nicht steiget noch fällt. 3 Hauswirthe geben jeglicher 10 Pfenning und 2 geben 20 von ihrem Gerten. Die Nahmen der Eigenthüner werden alle Jahr in denen Kirchen Registern unter der Rubric GartenZinß gemeldet und bringet dieser Zinß alle Jahr zusammen 8 mgl 6 Pf welchen diese 5 Leute geben müßen und ist ihnen solches niemahls gesteigert worden, wollen auch keinen Pfenning mehr davon geben. Die Leute, so diese Garten haben, eignen sich wie ihre Vorfehren von undenklichen Jahren solche Erb- und eigen zu, ich weiß und finde es auch nicht anderst, haben auch länger als von 100 Jahren nicht mehr auch nicht weniger als obgedachten Zinß davon gegeben. Wie groß diese Garten sind, und was sie sonsten noch andererwerts an die Herrschaft davon geben müfßen, ist mir nicht bekennt, denen 3 Kirchenjuraten auch nicht.
  3. Erb-Meyer und Pacht- Höfe hat die Kirehe hiere nicht, auch wol vorhinn nicht gehabt.

    §16; 17; 18 Eine Mühle, eigne Höltzungen, Torf-lohr und dergleichen unbensglsche Güter und pertinentz Stücke hat die Kirche hier überall nicht, auch nach den alten Registern nicht gehabt.
    § 19; 20 & 21 Korn- und Fleisch Zehnten hat die Kirche überall nicht auch nicht gehabt, und kann also von denen 6 Nebenpunkten auch nichts berichtet werden. IB. Sie bekommt auch kein Theil Korn.
  1. Es ist auch weder mir noch allen 3 Kirchenjuratehn oder anderen Leuten bekannt, daß die Kirche noch andere jura habe, als an Holtz-Theilung, Mast- Gerechtigkeit Hef- Pfahl- Grund und Pfennig Zinß, Kormöde und dergleichen wie es Nahmen haben mag.
  2. Die Summa gegenwärtig ausgeliehenen Kirchen Capitalien beläuft sich auf 314 Rthl. 6 ngl., so fast von lauter Begräbniß Geldern, 50 vormahlen und noch zu meiner Zeit in hiesiger Kirche Begrabenen herrühren. NB. Wer solche Capitalia von der Kirche habe, wie viel es sey, und was für Zinsen er jährlich gebe, deren Nahmen werden alljährlich unter der Rubric Stehende Geld- Zinsen richtig gepannet und berechnet. Der bahre Vorraht von Kirchen Geldern ist seit der letz-gehaltenen Kirchen Visitation von 8t. Julii 1732 geblieben 51 Rthl. 27 mgl 1. Es hat aber der Windsturm für einigen Wochen großen Schaden an der Kirchen und Thurn zugleich verursachet, indem er an einer Seiten der Kirchen über 400 Ziegelsteine und am Thurm verschiedene Schiefer und oben die Fahne herunter geworfen. Ich habe albereits denen Kirchenjuraten 4 Rth1. 15 mgl auf ihr Anforderen bloß für Ziegelsteine, geben müßen und sind dieselben fürs erste bloß wieder aufgehänget durch einen Maurer, und verlanget derselbe daß 2 Fuder Kalck sollen gekaufet werden, damit die Steine mögen fest liegen und eingekälcket werden. Es ist such nöthig daß der Thurm von einem Schieferdecker etwa diesen Sommer bestiegen und gehörig repariret werde, welches von diesem Kirchenvorrebt unmaßgeblich kann genommen werden.
  3. Die Kirche hat 2 silberne vergüldete Kelche und auch so viel Bricken. Der große Kelch ist Anne 1630 von Hans Ernst Tidemeann aus Selle und deßen Ehefrauen an die Kirche Geschencket und gehet in denselben fast 1 1/2 Qartine Wein. Der andere kleinere Kelch von etwa 1 1/2 Nößel hat des jetzigen Herrn von Lüneburgs seel Herr Großvatter, Fridrich von Luneburg, wie sein Nahme und Wappen zeiget, geschencket. Außerdem ist noch ein schlechter gantz kleiner Zinneren Kelch, so etwa 3 mgl wehrt sein mag, so bey Kraneken, welche das hl, Abendmahl begehren gebrauchet wird. An Praetiosa, so der Kirchen zu gehören, ist auch eine silberne oben vergüldete Oblaten Schachtel so etwa 5 oder 6 Rthl. wehrt welche der sehl. He. Obrist Lieutenant von Haxthausen und deßen noch lebende Frau Wittwe, nebst einem kleinen silbemen vergüldeten Löffel, darin Löcher gemacht, etwa eine Fliege oder Mücke, wan sie in den Kelch gefallen, unter der Communion wieder heraus zu nehmen, NB Es heben auch diese beyde ihr Begräbni3 in hiesiger Kirche. Außerdem findet sich auch noch an Silber eine kleine vergüldete Kanne von etwa 42 Oeßel, darinn zuweilen, wan viele Communicanien sind, der Wein so noch nicht in den Kelch gegoßen ist, auf dem Altaar mit gesetzet wird. Diese silberne Kanne hat Anno 1655, laut dieser Jahrzahl, so darauf stehst, der damalige Patronus hiesiger Kirchen, Hildebrand von Saller, so sich um diese Kirche viel meritiret gemachet, geschencket. Altasr Laken sind nur 2, außer einigen weißen Linnen, Eines ist neu von der Frau Wittwen Obrist Lieut. von Haxthausen nebst einem Zierraht oder Umhang um die Cantzel beydes von grünen seidenen Zeuge vor 3 Jahren geschencket. Noch ein altes grünes laken, so sie auch gegeben ist mehrenteilheils zerrißen,. Außerden finäst sich noch ein Umhang von blauen Sammit mit gelben seidenen Fransen, oben um die Cantzel so die seel. Frau Martens alhie verehret, auch einige Blumen Töpfe auf den Altar zu setzen. Sonsten gehöret in die Kirche eine große Meßings-Crone so auf dem Chore hänget, 2 große Meßings Leuchter auf den Altaar. Etsliche gantz alte und von Motten gefreßene und viel zerrißene Bibeln in folio als ( 1 ) die Frankfurter ( 2 ) Eine niedersächsische oder gantz Platdeutsche sampt einigen Tonis Lutheri und Christophori Fischen Postille sind hier bey der Pfarre.
  4. Legata oder Vermächtnißen sind hier sonst nicht bey der Kirchen, als daß etwa für einen Vierthel Jahre ein gewessner alter Gvarde Reuter, Nahmens Henning Flaten, ein gewißsg Capital en hiesige Kirche und Armen vermachet. Wie groß solches Capital sey, ist mir nicht bekannt, weil nicht ich sondem der Schuel Meister alhie davon die Rechnung führet.
  5. Beständige Abgiften, so die Kirche alle Jahre entrichten muß sind ( 1 ) 3 Rthl. für die 3 Kirchenjuraten ( 2 ) dem Pastori 2 Rthl. 12 mgl, so ihm von Alters her gehören ( 3 ) dem Organisten als Custodi für das Uhrstellen, Glocken- und Uhrschnier und Altaar laken zu waschen 1 Rthl 22MgEr. Für Communion Wein, Altar Lichter, Kirchenreparation und dergleichen, welches alle Jahr richtig berechnet wird und fast immer auch einerley Ausgabe ist.
  6. Der Kirchhof ist sonsten sehr klein gewesen, für einigen Jahren aber etwas erweitert, und jetzo noch fast zu klein, doch kann man sich zur Noht nun damit behelfen, die Begräbniße auf dem Kirchhofe werden alhie niemahls auch bey keinem Fremden und Ausländischen verkaufet sondern um sonst gegeben. Es ist auch hie niemahls gebräuchlich gewesen und begehret auch keiner für die Freystätten auf dem Kirchhof etwas zu geben. Wan sie nur die Jura stolae allemahl richtig geben könnten, und daran fehlet oftmehls viel, sonderlich bey armen Leuten, Wan jemand in die Kirche begraben wird, welches aber selten und nicht anderst als von Edelleuten geschiehet, müßen sie de Stellen bezahlen.
    Das preetium dafür ist unterschiedlich. Etsliche haben wol hundert, etsliche 80, etsliche 50, andere nur mer 20 Rthl. andere auch noch wol weniger gegeben, nachdem den durch äie Kirchenjuraten mit ihnen contrehiret worden. Beweinkaufst werden solche Grabtätten hier in der Kirche niemahls und wüßte ich hievon gar kein Exempel. Jetzo können, weil ohneden die Adeliche Erbbegräbniße in der Kirchen, und dieselbe ohnedem sehr klein ist, keine mehr darinn begraben werden. Nb. Die Plancks, Thorweg und Thüren um und für dem Kirchhof, auch die Leichenbahren muß alles hier die Gemeine halten.
  7. Ein Steinweg auf dem Kirchhof ist hier nicht nöhtig, weil imner ein guter reiner Fußsteig darauf ist. Wegen der Capellen und derer Güter ist hier nichts zu berichten, weil gar keine in diesen Kirkspiele sind.

Habe dieses alles zur unterdienstlichen geforderten, schuldigen und wahrhaftigen Be- und Nachricht hiemit ertheilen sollen und wollen

Der ich übrigens nebst Erhebung Göttlicher Gnade mit allem Respect verharren

Carl von Düring, Meinersen: Tagebuchauszug zum Kirchenbau 1837

Carl von Düring, Oberhauptmann in Meinersen: Tagebuchaufzeichnungen
widergegeben in Radtke: Chronik Uetze - Ein Dorf im Wandel der Jahrhunderte

"Hier fand ich einen Pastor von Laer vor, einen sehr komplimenthensen Mann, der ein Institut für irre Frauenzimmer eingerichtet, und deshalb fast alle Zimmer im Hause mit Gittern vor den Fenstern versehen waren. Ihm folgte der Pastor Metzenheim, und als dieser nach wenigen Jahren verstarb, der jetzige Pastor Schreiber. Die Kirche daselbst war über alle Beschreibung schlecht, klein und dunkel, weshalb schon vor längeren Jahren ein Anbau projektiert, wegen Mangel an Geld aber nicht ausgeführt ward, indessen hatte man zu diesem Behuf einen besonderen Klingelbeutel des Sonntags umhergehen lassen, dessen Aufkünfte unter den Namen der neuen Kirchenkosten berechnet und belegt worden, wodurch ein Vermögen von 4000 Reichstalern gesammelt war. Der Anbau, wie solcher projektiert war, schien mir durchaus unzweckmäßig, weshalb ich einen Neubau vorschlug, bei der Kammer es bewirkte, daß sie die erforferlichen Bruchsteine aus dem Fisserberge (bei Eddesse) gegen Brechlohn und das erforderliche Nadelholz forstzinsfrei bewilligte, Königl.- Konsistorium auch die doppelte Kirchenkollekte genehmigte. Der Baurevisor Helmer entwarf auch hierzu den Plan, den ich jedoch etwas modernisierte. Mit ihm schloß ich billige Accorde, beaufsichtigte auch, so oft meine Geschäfte es erlaubten, die Ausführung und bewirkte, daß eine wirklich schöne Kirche hergestellt ward, welches der Gemeinde nicht mehr als die dabei erforderlichen Hand- und Spanndienste kostete. Es war ins Jahre 1837. In diesem Baujahr wurde Kirche in Baars neuem Hause gehalten, die in ihrem alten solange wohnen blieben. Bei der Einweihung gab der Rittmeister von Lüneburg ein Dinner, wobei es gemütlich zuging. Zugegen waren die beiden Kirchenkommissarien, der Rittmeister von Uslar und einige andere Gäste."

Pastor G. W. Schreiber: Beschreibung der Kirche zu Uetze, Juli 1861

Beschreibung
der evangelisch lutherischen Kirche zu Uetze
so wie
ihrer Kunstschätze, Alterthümer und historischen
Denkwürdigkeiten,
angefertigt im Jahre 1861
von
G. W. Schreiber

I. Historisches

ad 1. Von wem die frühere Kirche gegründet und eingeweiht ist, ist nicht bekannt.
ad 2. Die jetzige Kirche ist im Jahre 1837 von der betreffenden Gemeinde gegründet, wobei die Geldmittel aus dem Kirchenaerario genommen sind, und ist eingeweiht durch den Superintendenten Fromme zu Sievershausen.
ad 3. Die Kirche ist keinem Schutzheiligen gewidmet.
ad 4. Kommt hier nicht in Frage.
ad 5. Solche Beschreibungen und sonstige historische Mitteilungen liegen nicht vor.

II. Das Aeußere der Kirche

ad 1. Der Thurm der Kirche befindet sich an der Westseite.
ad 2. Der untere Theil des Thurmes ist in Quadratform ausgeführt; die Spitze hat eine achteckige Form. An dem unteren Thurm befinden sich vier bogenförmigen Schallöchern; an der Spitze zwei viereckige Aufführungen mit Klappen.
ad 3. Die Kirche hat schlichtes Mauerwerk, das an den Ecken derselben um drei Zoll vorspringt; die Thüren und Fenster sind rundbogenförmig, die Eingänge haben keine besonderen Mauern. Das Dachgesimse ist gewöhnlicher Art; das Endgesims besteht aus besonderen Sandsteinen.
ad 4. Das Material ist Sandstein und die Art des Baues ist Bruchsteinbau.
ad 5. Kommt hier nicht in Frage.
ad 6. Inschriften sind nicht vorhanden.
ad 7. Solche Leichensteine sind nicht vorhanden.
ad 8. Derartiges kommt nicht vor.

III. Das Innere der Kirche

ad 1. Die Grundform ist die eines länglichen Vierecks, von 82 Fuß Länge und 60 Fuß Breite; es befinden sich 10 viereckige Pfeiler im Schiffe der Kirche 4 an der Süd-, 4 an der Nord- und 2 an der Westseite, die den vorhandenen Priechen zur Stütze dienen; von den Priechen ab erheben sich in gleicher Richtung mit den unteren Pfeilern an der Süd- und Nordseite 8 runde Pfeiler, die bis zum Brettergewölbe reichen. Emporen sind nicht da; eine Vorhalle befindet sich unter dem Thurm; Kreuzflügel und eine Gruftkirche sind nicht vorhanden. Der Fußboden des Chors liegt einen Fuß höher als der des Schiffes und ist rechtwinkelig geschlossen. Fenster befinden sich nicht im Chore; derselbe hat aber einen Umgang: Ein ..............
ad 2. Der Fußboden besteht in den Gängen und auf dem Chore aus behauenen Steinplatten, sonst aus Backsteinen. Bemerkenswerth ist ein Leichenstein, der den Eingang zum von Lüneburgschen Grabgewölbe, welches sich unter der Kirche befindet, verschließt und mit dem v. Lüneburgschen Wappen versehen ist; reiche und kunstvolle Arbeiten der genannten Arten sind nicht vorhanden.
ad 3. Das Bestreben, die einfachen Linien der Kirche durch freiere und mannigfaltigere Formenbildungen zu zieren ist unverkennbar aber besondere in die Augen fallende Zeichen sind nicht vorhanden.
ad 4. Die Kirche hat ein mit Lehm verputztes und gemaßtes Brettergewölbe in Halbkreisform.
ad 5. Die Decke enthält kein Gemälde.
ad 6. Die Fenster haben keine Zierungen.
ad 7. Glasgemälde sind nicht vorhanden.
ad 8. Die Thüren und die daran befindlichen Schlösser und Beschläge sind gewöhnlicher Art.
ad 9. Wandmalereien sind nicht vorhanden.
ad 10. Dergleichen findet sich nicht.

IV. Geräthschaften der Kirche

ad 1. Der Altar hat eine Quadratform und besteht aus Holz; ein Aufsatz befindet sich nicht darauf und ist erbaut im Jahr 1837. Unter dem Altare an der Altarwand befindet sich ein Oelgemälde, das Abendmahl des Herrn darstellend, welches der Kirche von dem Maler Wieler aus Hamburg geschenkt ist. So sind auch an der Altarwand das v. Lüneburgsche und das von Mandelslohsche Wappen angebracht, und zwar so, dass ersteres sich an der rechten, letzteres sich an der linken Seite derselben befindet, so wie überhaupt dasselbe recht hübsch und passend verziert ist, ohne jedoch auch besonders bemerkenswerthen Schmuck zu enthüllen.
ad 2. a) Zwei silberne Kelche, außerhalb und inwendig vergoldet, von welchen im etwas größeren sich die Namen Hans Ernst Tiedemann und Catharina Gerdruht Tiedemann und die Jahreszahl 1680 sich befindet, an dem kleineren dagegen das von Lüneburgsche Wappen mit dem Namen Friedrich von Lüneburg.
b) Ein Kelch von Zinn ohne alle Verzierung
c) Zwei Patenen von Silber mit Vergoldung ohne alle Verzierungen und Inschriften.
d) Eine Patene von Zinn.
e) Eine Oplatenbüchse von Silber mit Vergoldung, auf welcher sich das v. Lüneburgsche Wappen und die Buchstaben M. H. u. H. A. I. u. L B. befinden.
f) Eine Weinkanne von Silber mit Vergoldung, verziert mit Blumen und mit der Inschrift Hildebrandt von Sallern 1655.
ad 3. Die Kirche besitzt ein Cruzifix aus Holz geschnitten und versilbert, zwei Altarleuchter von Messing, vier Blumenvasen, wovon zwei mit Glaskuppeln versehen sind, um die Blumen vor dem Staube zu bewahren.
ad 4. Die Altarbekleidung besteht darin, daß der Altar mit rothem Tuche beschlagen und mit weißem Tüll belegt ist.
ad 5. Nebenaltäre sind nicht vorhanden.
ad 6. Ein Paramenthäuschen befindet sich nicht in der Kirche.
ad 7. Die Kirche besitzt ein Taufbecken von Messing in der Form einer kreisrunden Schüssel ohne jede Inschrift, und wird im Kirchenschranke aufbewahrt.
ad 8. Die Kanzel befindet sich an der Ostseite der Kirche über dem Altare an der Altarwand, ist angefertigt aus Holz mit Vergoldung verziert und über derselben steht das Schriftwort: Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht.
ad 9. Die Kirche besitzt eine Orgel, die kurze Zeit nach dem Neubau derselben angeschafft ist und ein einfaches Gehäuse hat.
ad 10. Die genannten Gegenstände sind nicht vorhanden.
ad 11. Es befinden sich in der Kirche keine historische Merkwürdigkeiten irgend einer Art.

V. Von den außerhalb der Kirche sich vorfindenden Alterthümern und Kunstschätzen:

ad 1. Eine Sakristei ist vorhanden, die aber nichts merkwürdiges darbietet.
ad 2. Seitenkapellen sind nicht vorhanden.
ad 3. Kreuzgänge und Klostergebäude sind nicht vorhanden.
ad 4. Denkmale irgend einer Art oder außer Gebrauch gekommene kirchliche Gegenstände sind nicht vorhanden.
ad 5. Im Thurm befinden sich zwei Glocken ohne jede Inschrift.
ad 6. Die Einlage des jetzigen Thurmkopfes soll nichts bemerkenswerthes enthalten.
ad 7. Da der Friedhof vor etwa 35 Jahren neu angelegt ist, so fehlt es dadurch an allen Denkmalen aus alter Zeit.
ad 8. Dergleichen befindet sich auf dem Friedhofe nichts.
ad 9. Dergleichen befindet sich weder bei dem Geistlichen noch bei dem Schullehen.
ad 10. Die Kirchenbücher reichen hinauf bis zum Jahre 1672, enthalten aber keine merkwürdige Nachrichten.
ad 11. In den Kirchenacten finden sich keine historischen Nachrichten.
ad 12. Ein Abdruck des Kirchensiegels ist hinzugefügt.

Heidnische Alterthümer

ad 1. Aschenurnen hat man in hiesiger Gegend oft gefunden, doch sind diese in Folge der stattgefundenen Theilung und Verkoppplung gänzlich zerstört worden.
ad 2. Da die Stätten, wo diese Aschenurnen gefunden wurden, zerstört sind, so kann über deren Lage und Beschaffenheit nichts gesagt werden.
Conrad Wilhelm Hase: Gutachten zur niedergebrannten Kirche vom 15. Mai 1863

An
Die Kirchen Commission
Zu Uetze

Gutachten
des Baurats W. Hase
Hannover den 15. Mai 1863

Betreffend
Die durch Brand zerstörten
Geistlichen Gebäude
Zu Uetze

Im Auftrage der verehrten Kirchen-Commission von Uetze vom 6. Mai d. J. zufolge begab ich mich am 8. d. M. nach Uetze um über verschiedene, bezüglich des Wiederaufbaus der abgebrannten geistlichen Gebäude, obschwebende Fragen auch äußern zu können. Nachdem die Localbesichtigung vorgenommen war, habe ich meine Ansichten über den fraglichen Gegenstand an Ort und Stelle bereits ausgesprochen und brauche auch dieselben Hinweise folgerichtig zu wiederholen.

  1. Die Kirche anlangend, hat meine Untersuchung ergeben, daß die Umfassungsmauern derselben, das einzige, was von der mit Holz ausgebaut gewesenen Kirche übrig geblieben ist, durch den Brand nicht erheblich gelitten haben, sodaß da von Solidität derjenigen aus gleichem Material in gleicher Härten und Construction ausgeführten neuen Mauern völlig gleich zu setzen ist.
    Der Thurm der Kirche, welcher, aus früherer Zeit herstammend, an allen Seiten von oben bis unten zerrissen ist, zeigte bei einer Bloßlegung der Fundamente einen sehr schlechten Zustand, der letzteren, so daß an eine Wiederbesetzung derselben zu einem Neubau nicht zu denken ist. Die Fundamente sind nämlich, wie sich an zwei verschiedenen Stellen zeigte, trocken aufgemauert und die Zwischenräume der Mauer durch Sand zugeschlemmt; der bedeutende Breite der Mauern hat diese durch keine Bindemittel zusammengehaltenen Stand folgend frühzeitig, wahrscheinlich schon während des Baues, auseinander geschoben, wodurch die an allen Seiten, innen und außen, sichtbaren Risse des Mauerwerks sich erklären. Ein Restaurieren würde ebenso kostspielig sein, als ein völliger Neubau, daher es geraten scheint, bei dem Wiederaufbauen der Kirche auf einen völlig neuen Thurm Rücksicht zu nehmen.
  2. Das abgebrannte Pfarrgebäude hatte durch seine Situation der Hauptfronte nach Süden eine angemessene und in der Nähe der Kirche eine sehr angenehme Lage. Wenn bei den jetzt in Verschlag gebrachte Wegeregulierung der Pfarre ein angemessener Gartenraum von circa 60 QR (Quadratruten ) unmittelbar neben dem Hause genommen werden kann, so dürfte die Erbauung der neuen Pfarre auf der alten Stelle nur angerathen sein.
  3. Das abgebrannte Schulgebäude lag in der Höhe der Kirche und somit ziemlich inmitten des Dorfes. Das dazu gehörige Areal ist nun so bedeutend den Dimensionen, dass sich für den Wiederaufbau desselben auf der alten Stelle weder Schwierigkeiten bieten, noch irgend welche Gründe dagegen auffinden lassen.
  4. Der Bauplatz des abgebrannten Küsterhauses ist im Ganzen nicht sehr günstig, da seine Straßenfronte zu gering ist. Dafür war dann auch das alte Küsterhaus tief in den Platz hineingebauet. Es würde von besonderem Werthe für die Erbauung des neuen Küsterhauses sein, wenn beide Grenznachbarn sich geeinigt fänden an der Straße so viel Breite abzutreten, daß eine Normalbreite der Baufronte von circa 50 - 60 Fuß erreicht würde.

Gehorsamst
gez. Hase

Conrad Wilhelm Hase: Bemerkungen zum Wiederaufbau vom 7. Juni 1864

An
Königliches Consistorium
zu Hannover

Baumanificus - Bemerkungen
betreffend
den Wiederaufbau der geist-
lichen Gebäude zu Uetze
bes. der Kirche mit Thurm


Nach Ausweis des Berichts des Kirchen- und Schul-Vorstandes von Uetze vom 1. December v. J. hat derselbe beschlossen, die dortige Kirche nicht nach einem der drei von mir aufgestellten Restaurationspläne sondern ganz so wieder herzustellen wie dieselbe vor dem Brande gewesen ist und den Thurm nur zu reparieren statt ihn neu zu umbauen und genau aus folgenden Gründen:

  1. Weil die Kirche in ihrem früheren Zustande ein schönes Gotteshaus gewesen sei, welches von allen Kirchen der dortigen Umgegend große Vorzüge und an welchem die Gemeinde ihre Freude gehabt habe,
  2. des höheren nach meinen Plänen erforderlichen Kostenaufwandes und den zu leistenden Hand- und Spanndiensten wegen,
  3. weil die im Bau begriffenen geistlichen Gebäude prachtvoller umbaut würden als erforderlich und weil die Gemeinde von dem äußern Schmucke und von Verzierungen Anstoß nehmen, die diesen Gebäuden durch Glasursteine gegeben und wodurch die Kosten unnötiger Weise um einige hundert Thaler erhöht würden.

Diese Gründe erlaube ich mir, nachstehend näher zu beleuchten.

Was zunächst den ersten Grund, die angeblich schöne und zweckmäßige und ganz den Wünschen der Gemeinde entsprechende frühere Einrichtung der Kirche betrifft, so bemerke ich, dass dieselbe ein rechteckiger von glatten Mauern geschlossener und einen, bis auf den Einbau von Priechen, freier kahler Raum ohne besonderes Chor war. Bekanntlich lieben überall die Landleute, besonders da, wo sie denselben nicht mit wirklich kirchlichen Anlagen vergleichen können, solche einfache viereckige Räume und sträuben sich von vornherein stets gegen eine aus dem Wesen des Cultus sich ergebende compliziertere Gestaltung des Grundrisses. Es ist das bei den vielen von mir ausgeführten Kirchenbauten in den verschiedensten Theilen unseres Landes fast jedes Mal der Fall gewesen, dass die Landgemeinden anfänglich, so lange nur auch die Baupläne vorlagen, indem der Bau selbst auch im Entstehen war, mit Misstrauen die den meisten unverständliche Gliederung des Gebäudes betrachteten, aber es ist mir auch, sowohl aus meiner eigenen Praxis als auch aus den anderen auch wirklich reichlichen Typen bauenden Architecten kein einziger Fall bekannt, dass nicht nach Vollendung des Baues, wo ihnen die Bedeutsamkeit der einzelnen Theile klar wurde, in den Gemeinden jenes Vorurtheil und die Liebe zum einfach viereckigen Raume sich als bald verloren habe.

Die frühere Kirche zu Uetze hatte nun, außer dem Mangel, daß sie, wie oben erwähnt, allen traditionell kirchlichen Einrichtung und äußeren wie inneren Erscheinung entbehrte (wie auch z. B. die Kanzel sich über dem Altare befindet) auch den großen Mangel, dass man den Prediger auf der Kanzel an sehr vielen Stellen in der Kirche nicht verstehen konnte. Der Grund dieses letzteren Übelstandes dürfte wesentlich in der über die ganze ungetheilte Kirche in einer horizontalen Weise sich ausdehnenden hölzernen Decke, welche wie ein großer Resonanzboden wirkte, zu suchen sein.

Bei Aufstellung meiner bezüglichen Restaurationspläne habe ich es als die vorliegende Aufgabe (deren einfachste Lösung der mit NP.3 bezeichnete und dem Kirchenvorstande zur Annahme empfohlene Plan sein dürfte) betrachtet, der Kirche durch Theilung mittelst 2 Arcaden der Länge nach in drei Schiffe und durch Anbau eines gesonderten Chores nebst Sacristei) eine kirchlich mündige Einrichtung und Erscheinung zu geben und (durch die gedachte Theilung zugleich) eine geeignete Stellung für die Kanzel zu erlangen und die mangelhafte Akustik zu verbessern. Dabei würden die seitlichen Mauern der Kirche fast unberührt bleiben und würde nur die östliche Giebelmauer des Choranbaus wegen theilweise abgebrochen werden müssen.

Für die Kirche hatte ich in meinem Plane, ein die vorhandenen für einen Gewölbebau zu schwachen Mauern ohne Verstärkung, der größeren Billigkeit wegen, beibehalten zu können, wiederum eine Holzdecke angenommen, welche indessen, weil sie nicht mehr als ein einziger Resonanzboden wirken kann, in akustischer Beziehung zu Befürchtungen keinen Anlaß mehr geben dürfte. Das Chor habe ich gewölbt angenommen, weil hierdurch die Wölbung nennenswerthe Mehrkosten nicht erfordert werden, da ja dieser Theil des Geländes von Grund auf neu hergestellt werden muß und bedarf übrigens die Anordnung eines gewölbten Chores keiner weiteren Motivierung. Dass die oben bezeichneten Forderungen unter allen Umständen bei Wiederherstellung der abgebrannten Kirche gestellt werden müssen und dass daher eine einfache Wiederherstellung des früheren Zustandes mit den gedachten Mängeln nicht zulässig sein dürfte, ist meine maßgebliche Ansicht und glaube ich, darin der Zustimmung des Königlichen Consistorii gewiss zu sein.

Dabei ist es wohl selbstverständlich, dass bei den bekannten Vermögensverhältnissen der durch den vorig jährigen Brand so schwer betroffenen Gemeinde auf eine möglichst einfache und billige Lösung der Aufgabe hingestrebt werden muss. Aber gerade bei der bedrängten Lage halte ich es um so mehr für nothwendig, dass alle Uebelstände erschöpfend beseitigt werden und der Bau in solidester Weise ausgeführt werde, damit nicht, wenn nach einigen Jahren sich die Gemeinde von ihrer gegenwärtigen Entscheidung wie zu hoffen steht wieder erholt haben wird und dann das Geschaffene ruhiger prüft, sie mit Recht sich beklagen könne, dass mit bedeutendem Kostenaufwande nur ein mangelhaftes Gotteshaus wiederhergestellt sei.

Von diesem Gesichtspunkte aus muß ich mich auch ganz entschieden gegen eine Restauration und für einen völligen Neuaufbau des Thurms erklären, über dessen baulichen Zustand ich das Resultat meiner Prüfung schon in meinem Berichte an die Kirchen-Commission unterm 15. Mai v. J. mitzutheilen mich beehrte. Allerdings ist es sehr wohl möglich, durch Herstellung neuer Fundamente und sonstiger Reparaturen den Thurm wieder soweit herzurichten, dass er im Stande ist, ein neues Dach zu tragen und ihn überall auch für eine Reihe von Jahren zu erhalten. Es ist das aber eine sehr kostspielige Operation, deren Kosten mit dem dadurch zu Erreichenden durchaus nicht im Verhältnis stehen, denn wenn, wie schon gesagt, früher oder später die Gemeinde sich wieder erholt haben wird, so wird auch sofort der Wunsch wichtig werden einen stattlichen, weithin sichtbaren Kirchenthurm zu besitzen. Einen höhern Aufbau, welchen, um dieses zu erlangen, erforderlich würde, wird aber der jetzt zu reparierende Thurm, meiner festen Überzeugung nach nie mehr zu tragen im Stande sein und wäre man alsdann doch gezwungen, denselben abzureißen und hätte dann die sehr beträchtlichen Reparaturkosten völlig nutzlos weggeworfen. Daher halte ich es für das zweckmäßigste jetzt gleich den Thurm abzubrechen und denselben mit möglichster Benutzung der alten Materialien in solider Weise soweit neu aufzuführen, als dieses der Kirchenbau erfordert und ihn dann mit neuen einfachen Dache zu versehen. Will man dann in einer späteren günstigeren Zeit den Thurm höher und stattlicher haben, so ist das mit verhältnismäßig geringen Kosten zu machen und man wird dann keinen früheren nutzlosen Kostenaufwand zu beklagen haben. - Dieses ist meiner Ansicht nach, der richtige, bei Wiederaufbau der Kirche und des Thurmes einzuschlagende Weg.
Sollte es aber wirklich der Gemeinde allzu schwer werden, den Thurmunterbau schon jetzt neu aufzuführen, so rathe ich ferner, den Thurm vorläufig ganz so zu lassen wie er jetzt ist, ihn nicht neu zu fundamentieren, sondern ihn nur nothwendig zu reparieren und mit einem Nothdache zu versehen damit die neuen Glocken hineingehängt werden können, das Ganze als ein Provisorium betrachtend und einer besseren Zeit den Neubau eines der Kirche entsprechenden stattlichen Thurmes vorbehaltend.

Die von mir für die Ausführung des Thurms NP.3 vorläufig angenommene Bausumme von 12600 rß ist nach einem oberflächlichen Kostenüberschlage bestimmt und habe ich es für meine Pflicht gehalten, die Bausumme reichlich hoch anzugeben. Ich brauche in dieser Beziehung wohl nur auf den Thatbestand in Bezug auf Pfarrhaus mit Nebengebäude, Küsterhaus und erste Schule hinzuweisen, welche Bauten sämmtlich 12 bis 15 pr. Cent billiger als sie veranschlagt waren im Ganzen an einzelne Bauunternehmer übergeben sind. Auch werden sich immerhin voraussichtlich bei genauerer Beurteilung, besonders durch Anordnung eines niedrigeren Thurmdaches auch wesentliche Ersparungen erreichen lassen und bedarf es wohl kaum einer weiteren Erwähnung, dass solche, soweit es die Solidität und sonstigen unabweislichen Forderungen gestatten, überall von mir angestrrebt sein würden.
Endlich glaube ich es nun auch schuldig zu sein, den von dem Kirchen- und Schul-Vorstande von Ütze zu meinem großen Bedauern ausgesprochenen Vorwurf, als würden unnöthige Kosten für eine schmuckreiche Erscheinung dem im Bau begriffenen geistlichen Gebäude nach meinen Plänen aufgewandt, zurückzuweisen und zu widerlegen.

Dieser Vorwurf bezieht sich, wie daselbst angegeben auf die Verwendung von Glasursteinen und beruht die Ansicht, dass diese Glasursteine der besseren äüßeren Erscheinung wegen angewandt werden, auf einem Irrthum, der allerdings den Landleuten nicht zu verargen ist. Königlichen Konsistoren ist es genugsam bekannt, wie erst im letzten Jahrzehnte man allgemein, wenigstens bei den Baubehörden, zu der Erkenntnis gelangt ist, dass der jede schlechte Construction verdeckende und durch seine stete Reparatur-Bedürftigkeit so kostspielige Putzbau beseitigt werden und an seine Stelle wie in allen guten Bau-. ein Constructions-Bau, bei welchem überall das verwendete Material ohne verdeckende Hülle gezeigt wird, mit einem Worte, ein Roh- oder Rein-Bau, gesetzt werden muss.
Ein solcher Bau erfordert aber ganz selbstverständlich, dass jeder Theil desselben seiner Bestimmung und den zerstörenden Einflüssen denen er ausgesetzt ist, entsprechend ausgebildet werde. Das heißt, es müssen alle Theile, die der Witterung, dem Froste, der Nässe gg. mehr ausgesetzt sind als die ebenen Wandflächen auch naturgemäß widerstandsfähiger construiert werden. Solches geschieht beim Backsteinbau durch Überziehen der betreffenden Steine mit einer Glasur.

Demgemäß habe ich auch hier, wie bei allen neueren von mir entworfenen Backstein-Bauten, eine Herstellung der Sockelschwingen, Sohlbänke pp. der Ecken und der Profilierungen an den Gebäuden projectiert. Dieses Constructionsprinzip ist auch keineswegs ein von mir aufgestelltes, sondern es ergibt sich einfach aus den durch Jahrhunderte lange Dauer vortrefflich berühmten Bauten des Mittelalters. Einen nahe liegenden Beweis liefern die noch erhaltenen Backsteinbauten der Stadt Hannover wie auch im ausgedehnten Maße Lüneburg und andern Orte unseres Landes und endlich die zur vollkommensten Entwicklung gediehenen und vielfach erhaltenen Bauten der eigentlichen Heimat des Backsteinbaues wie Mecklenburg, Brandenburg etc.
Die hierdurch veranlassten Kosten betragen nach dem mir vorliegenden Lieferungscontracte im Ganzen 212 rß 3gk(?) 5 (?) für sämtliche vier betreffende Bauten und also etwa 1 5/8 % der Totalbausumme von 6770 + 3145 + 2980 = 12895 rß. Des besseren Aussehens wegen sind einzig und allein die profilierten Backsteine zu Fenstereinfassungen und dergleichen (die zu den Sockeln, Sohlbänken gg. sind constructiv nothwendig) verwandt und beträgt die gesammte hieraus erwachsende Mehrausgabe für alle vier Bauten 32 rß 5 gk, d. h. etwa ¼ % der Bausumme.

Diese letzte ist die einzige Ausgabe, welche nach meinen Plänen der sogenannten Schönheit wegen gemacht wird und glaube ich daher den betreffenden Vorwurf mit gutem Gewissen zurückweisen zu dürfen. Auch lag es von vorne herein durchaus nicht im Sinne des Kirchen- und Schul-Vorstande, die betreffenden Gebäude in ärmlichster und beschränktester Weise auszuführen, was wohl zur Genüge dadurch bewiesen ist, dass derselbe in anerkennenswerther Weise über die man mir (in Berücksichtigung der bedrängten Lage der Gemeinde) für Küsterhaus und erste Schule angenommenen Dimensionen hinaus aus eigenen Antriebe eine Vergrößerung der fraglichen Gebäude beschlossen hat.

Wie mir von meinem dortigen Bauführer wiederholt berichtet und auch von dem Herrn Prediger mitgetheilt ist, liegt die hauptsächlichste Ursache der Verstimmung der Gemeinde in dieser Beziehung in dem Umstande, dass leider die betreffenden Backsteinlieferanten in bedauerlicher Weise außer Stande gewesen sind, die fraglichen Glasursteine rechtzeitig zu liefern, wodurch der Bau aufgehalten und dadurch die Gemeinde gegen die Verwendung dieser Steine selbst eingenommen ist.
Die Herbeiführung der Unmöglichkeit, die betreffenden Steine auch rechtzeitig beschaffen zu können, fällt aber lediglich dem Kirchenvorstande zur Last, welcher im Sommer in unerklärlicher Weise zögerte, die zur Anfertigung der Pläne erforderlichen Angaben zu machen.Als ich endlich, nach wiederholtem Drängen meinerseits, am 30. Mai (der Brand hatte am 21. April sattgefunden) die nöthigen Anhaltspunkte erhielt, habe ich die Anfertigung der Pläne und Anschläge mit allen Kräften betrieben und die Kirche überall mit größter Aufopferung und Liebe gefördert, so dass am 29. Juli in Uetze die Bauconstructe wegen Pfarrhaus mit Anbaugebäude, Küsterhaus und erster Schule abgeschlossen werden konnten, und ich im Stande war, dem Kirchen-Vorstande zugleich 3 Pläne zur Wiederherstellung der Kirche vorzulegen.

Dann habe ich wiederum mit Zurücksetzung fast aller übrigen vorliegenden Arbeiten sämtliche Werkzeichnungen zu den fraglichen Gebäuden sofort anfertigen lassen und selbst auch den Abschluss der Constructe wegen der Backsteinlieferung in jeder Weise gefordert, so dass mich in dieser Bausache wohl in keiner Weise ein Vorwurf treffen dürfte.

gehorsamst
gez. Hase

Urkunden zur Baugeschichte der Michaeliskirche in Katensen
Urkunde im Grundstein der Michaeliskirche