Ende des Projekts "Diakonie in der Region 2"

Am 31.12.2021 wurde das Projekt Flüchtlingsarbeit in der Region 2 nach 5,5 Jahren beendet. Die Mittel für die Flüchtlingsarbeit sind nicht mehr im ausreichenden Maße vorhanden. Eine Weiterbeschäftigung der Koordinatorin Sandra Körtke ist so nicht mehr möglich und der Mietvertrag mit dem alten Spritzenhaus musste gekündigt werden. Im Gespräch mit Diakonin Karin Lawrenz blickt sie auf die erfolgreiche Arbeit zurück.

Lawrenz: Wenn du an die zurückliegenden 5 Jahre denkst, wie hat sich die Flüchtlingsarbeit auch in unserem Projekt verändert?

Körtke: Zu Beginn öffneten die St. Johannes-der-Täufer Kirche und die Gemeindehäuser in Dollbergen und Hänigsen ihre Türen für Willkommensveranstaltungen und Begegnungscafés. Im ehemaligen Küsterhaus fanden seit November 2015 Sprachlernangebote für Erwachsene mit Kinderbetreuung statt. 14 Ehrenamtliche teilten sich dreimal wöchentlich die Arbeit untereinander auf. An manchen Abenden spielten bis zu 20 Kinder im Garten des Küsterhauses, während ihre Eltern drinnen Deutsch lernten. Nachdem das Diakonieprojekt ab September 2018 ins Spritzenhaus umziehen musste, boten wir gemeinsam mit dem Verein Landungsbrücke e.V. ein Nähprojekt für ezidische Frauen an. Im Herbst 2020 startete trotz Corona der "LernRaum" Spritzenhaus mit einer Lernhilfe für 9 Grundschulkinder. Dieses Projekt besteht bis heute weiter. Mit der erneuten Ankunft geflüchteter Familien, u. a. aus Afghanistan, steht Uetze wie 2015 vor vergleichbaren Problemen. Umso bedauerlicher finde ich es, dass sowohl die Landungsbrücke e.V. als auch das Diakonieprojekt jetzt aufhören. Es bleibt zu hoffen, dass sich neue Lösungen auftun und die Menschen wieder eine Anlaufstelle finden werden.

Lawrenz: Ziel unseres Projekts war es geflüchtete Familien dabei zu unterstützen in ihrem Lebensumfeld anzukommen und mit ihnen sinnvolle Perspektiven zu entwickeln. An welchen Stellen ist das gelungen und warum?

Körtke: Am wichtigsten waren aus meiner Sicht die Sprachlernangebote für die Erwachsenen mit Kinderbetreuung und die Lernförderung für die Grundschulkinder. An diesen Stellen war das ehrenamtliche Engagement besonders wertvoll, weil es half eine Brücke zu bauen, zu mehr Teilhabe für Frauen und Kinder. Meine persönlichen Höhepunkte waren 2017 eine Kreativwoche für Kinder und Erwachsene im Küsterhaus und die jährlich wiederkehrende Herbstfreizeit für Kinder auf dem Pferde- und Erlebnishof von Regina Richter in Altmerdingsen. Den Familien und ihren Kindern schöne Erfahrungen und Erlebnisse zu ermöglichen, um sie dabei zu unterstützen, mehr Vertrauen und Sicherheit in ihrer neuen Heimat zu gewinnen, war ein Privileg dieser Arbeit. Über die fünf Jahre zu erleben, wie sich die Kinder immer mehr integriert hatten und sich mit anderen Kindern verstanden, war eine große Freude.

Lawrenz: Nun wird das Projekt am 31.12.2021 beendet. Was willst du den geflüchteten Menschen und was möchtest du den Kirchengemeinden mit auf den Weg geben?

Körtke: Es ist wichtig, dass sich alle Seiten für ein gemeinsames Miteinander einsetzen. Dazu müssten Menschen mit Flucht- und Zuwanderungsgeschichte verstärkt Verantwortung übernehmen und in der Kommune sichtbarer werden. Und die Kirchengemeinden sollten ihre Türen öffnen und ihrerseits konkret im Alltag für alle wahrnehmbarer sein. Jede und jeder müssten sich für einen Zusammenhalt stark machen, die von gegenseitigem Respekt und Toleranz gegenüber dem anderen geprägt ist.

Lawrenz: Vielen Dank, Sandra und alles Gute für dich auf allen neuen beruflichen Wegen.